La Musica


Siegertitel der Deutschen Schlagertrophäe 1997/98

Musik: Pettersch & Hamacher, Text: Hartinger
Interpreten: Andrea Zanaboni und Manfred Fink


Es begann eigentlich ganz harmlos: Ein Freund rief an...


So kann´s geh´n - eben freut man sich noch (Hurra, hurra! Ein Freund ruft an! Hurra, hurra, ein Freund...) und schon steht man im weißen Kleid in Aachen und gewinnt etliche Eindrücke aus der Schlagerszene sowie "nebenbei" die Deutsche Schlagertrophäe 1997/98. ;-)

Also: Christian Pettersch rief an und sagte: "Du, ich bräuchte mal eine kräftige Stimme zu einem Tenor! Kannst Du mir das Demo singen?" Na, klar konnte ich. Bin ja schließlich ein großzügiger Mensch...*lach* Hmpf, dachte ich, Schlager ... na gut!
Als ich im Studio stand und mir den Song anhörte, da war ich doch sehr gespalten: Der Refrain, der gefiel mir gut. Das hat sicher mit meinen Kindertagen zu tun, als ich alle Lieder von Heintje vorwärts und rückwärts sang. Doch der Eindimensionalität an Weltsicht in den Strophen, war ich dann doch mittlerweile entwachsen...

Ich begnügte mich erst mal damit, alle Refrainteile - deutsch und italienisch - mit einem fetten vierstimmigen Chor zu versehen und sang mich dabei schwindelig weit rauf... das Hinterlistige an diesem Lied ist nämlich, dass es (in den Strophen) von ganz unten bis (im Schlussrefrain) ganz rauf reicht. Also, ich muss schon sagen, es war damals in jeder Hinsicht eine Herausforderung!
Somit hatte ich allerdings für meinen Duett-Partner (der ungelogen ALLE existierenden Tenorklischees in sich vereinte... ok, es ist kein Geheimnis, dass ich ihn nicht mochte! - Sorry!) ganz konkrete Vorgaben hinsichtlich Tempo, Phrasierung und Betonung gemacht, mit denen er 1. nicht einverstanden war und 2. nicht so ohne weiteres zurecht kam...
Als es fertig war, waren alle glücklich und ich dachte: "Nett! Jetzt hast Du auch mal sowas gemacht!", und dass die Sache damit erledigt sei. Auch wenn Schlager nicht gerade mein Steckenpferd ist, fand ich, dass der Titel sehr gut geworden sei - eigentlich sogar im ursprünglichen Sinne ein echter "Grand-Prix-Titel".


Nicht lange danach klingelte wieder das Telefon: "Du, der Heini (der Partner des Komponisten-Duos) hat uns zu einem Wettbewerb angemeldet ... äh ... und wir haben noch keine andere Sängerin für das Lied. Würdest Du für uns nach Aachen fahren?" Da fiel ich dann doch aus allen Wolken! Aber ich fuhr.
Alle Beteiligten - Komponisten, Texterin, Toningenieur und einige Freunde - reisten ebenfalls an, und nach nachmittäglichem Soundcheck gingen dann 21 Titel ins Rennen und das Zittern los.

Nachdem ich mich verkleidet hatte (im weißen Kleid, wie gesagt) unterhielt ich mich Backstage rege mit meinen Konkurrenten. Die meisten waren wirklich sehr nett und aufgeschlossen, aber ich spürte den immensen Druck, der auf ihnen lastete. Und dann durfte ich sogar noch eine unschöne Szene zwischen Produzent/Manager und Interpretin miterleben, und das tat mir doch ausgesprochen leid! Ich war ja fein raus, denn für mich hing ja nichts davon ab! Ich war zwar aufgeregt, so wie vor jedem Auftritt, aber ICH wollte ja nur "einem Freund einen Gefallen tun"...

Unser Auftritt war ziemlich gegen Ende aller Songvorstellungen und obwohl wir sehr heftigen Applaus bekommen hatten, erfuhr ich später, dass zu diesem Zeitpunkt den Beteiligten am Gasttisch immer mehr die Laune sank: "La Musica" stach in seiner Art doch sehr aus den anderen vorgestellten Schlagertiteln heraus, so dass sich niemand mehr auch nur ein winzige Chance ausrechnete. Die Abstimmung der Jury nahm etliche Zeit in Anspruch, und bis sie sich geeinigt hatten, waren schließlich alle am Boden zerstört!
Endlich wurden alle Interpreten auf die Bühne gebeten: Antreten zur Sieger-Bekanntgabe. Also, DA hatte ich dann auch Bauchflattern!
...und als wir als Gewinner ausgerufen wurden, da sprang ich vor Freude in die Luft! Ich hatte mich so sehr für Christian gefreut und ich war so stolz auf ihn, dass ich sogar anfing zu weinen.
Als uns die Pokale überreicht wurden, da hätte ich dann nochmal weinen können, denn sie waren, mit Verlaub, echt scheußlich: riesengroß, und in Dunkelgrün und Gold gehalten...sowas kann man sich doch nirgends hinstellen! (Aber ich kam erst gar nicht in die Verlegenheit, zu überlegen, wo ich den Pokal verstecken sollte, denn der liebe Tenor hat sich den Pokal unter den Nagel gerissen und ich habe nie mehr was von ihm gesehen oder gehört...) Ach, ja: Und Uwe Hübner kam, der damals die Deutsche Hitparade moderierte, der übrigens auch sehr nett war, und schüttelte uns die Hände und wir hoben nochmal gemeinsam den Pokal für´s Pressefoto in die Höhe. Zum Abschluss wurde natürlich "La Musica" ein zweites Mal zum Besten gegeben und wir erhielten wiederholt donnernden Applaus.

Sehr interessant war noch ein Gespräch, dass ich hinterher mit einem Insider hatte, der dann zu mir sagte: "Jetzt müsst ihr sein wie die Schmeißfliegen!" (wg. Plattenvertrag etc.). Er meinte es sicher gut, aber PUH! Das war mir vielleicht unangenehm! Ich fand den Vergleich zwar möglicherweise treffend, aber allein der Gedanke an Schmeißfliegen und worauf die so rumkrabbeln und dann deren Penetranz... Nee! Das war nie und ist bis heute Nichts für mich!


Völlig erschöpft, aber glücklich fuhr ich heim. Ich erinnerte mich, dass ich noch VOR der Fahrt nach Aachen gefragt wurde, ob ich uns denn Chancen ausrechnete!? Und ich hatte spaßeshalber geantwortet: "Ja, meinst Du ich fahre bis nach Aachen, um den zweiten Platz zu machen!?"


Bis heute (2013) wird "La Musica" in unserer Demofassung immer wieder im Wunschkonzert von HR2 gewünscht und gespielt.
Im Nachhinein ist es sehr schön zu wissen, dass ich mit diesem Ausflug in die Schlagerwelt doch vielen Menschen eine Freude bereitet habe!

 

AUDIO

Eine Kostprobe von "La Musica" könnt Ihr hier anhören:

stern La Musica

la musica - performed by andrea zanaboni und manfred fink

Gewinner der Deutschen Schlagertrophäe 1997/98
interpreten: andrea zanaboni und manfred fink musik: pettersch & hamacher text: hartinger

Mit freundlicher Genehmigung der Urheber

 

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