Die Venus

Musical von Kurt Weill
Originaltitel: "One Touch of Venus"
Produktion: Frank Bücheler & CPC Production GmbH
Inszenierung: Jan Oberndorff
Musikal. Leitung: Heinz Adrian Schweers


NewYork, 1943. Dreitausend Jahre ist sie alt, die Venus-Statue. Den Kunstsammler Whitlaw Savory hat sie ein Vermögen gekostet, und sie ist "die schönste Frau, die je dem Gehirn eines Mannes entsprungen ist". Nur einer findet das nicht: Savorys Friseur Rodney. Er ist nämlich frisch verlobt mit der schönen Gloria.

Plötzlich wird die Venus lebendig, steigt von ihrem Sockel und ...ist verliebt. Ausgerechnet in Rodney, denn er war es, der ihr (noch versteinert) den Verlobungsring von Gloria über den Finger streifte. Leicht bekleidet und voller glühender Leidenschaft verfolgt sie den Hilf- und Ratlosen durch Manhatten.

Nach vielen Turbulenzen, fröhlichen Schicksalsschlägen und himmlischen Manipulationen kommt es endlich doch zur entscheidenden "Liebesgöttinnen-Nacht". Doch dann nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung...

Die Venus ist eines von Kurt Weills Meisterwerken - eine brilliante Verbindung aus großer Musik und viel Witz und Charme.

 

PICTURES

Diese Fotos stammen von einen Promotion-Auftritt im Tempodrom / Berlin.
Danken möchte ich an dieser Stelle Herrn Boris Klinge (Berlin), der an diesem Tag mit seiner Kamera zur Stelle war. Ohne ihn gäbe es hier rein gar nix zur Ansicht!
Weitere Arbeiten von ihm findet Ihr unter www.kitschfoto.de


  • A.Zanaboni als Die Venus - Foto: Boris Klinge
  • A.Zanaboni als Die Venus - Foto: Boris Klinge

 

FEEDBACK

Leider existiert zu meinem Auftritt als Venus im gleichnamigen Musical keine offizielle Pressekritik.
Um so dankbarer bin ich für den Zuschauerbrief, der mich nach meiner "ganz persönlichen Premiere" in Berlin erreichte!
Um die darin genannten "Umstände" verstehen zu können, ist es möglicherweise notwendig, INSIDE zuerst zu lesen.


01.12.2001
Sehr geehrte Frau Zanaboni,
gestern abend habe ich Ihre Aufführung als Venus miterleben dürfen. Zwar war ich zuerst etwas enttäuscht, da Frau Rosenberg wegen Krankheit absagen musste. Die Enttäuschung verflog aber schnell und machte Begeisterung Platz. Sie haben wunderbar gespielt, und die Umstände haben sie in beneidenswerter Art wegstecken können. Ich sage dies als Musikliebhaber, aber noch mehr als Berufsmann, denn ich arbeite als Stresstrainer und Coach. So würdige ich Ihre Leistung auch aus dieser Warte. Nur zu gut weiß ich, dass die Nerven in solch extremen Situationen manchmal nicht vollumfänglich mitspielen. Da Sie ja kaum üben konnten, schätze ich Ihre Leistung als außerordentlich ein, und Ihre Stimme ist fantastisch. Herzlichen Glückwunsch.
Ich wünsche mir, Sie wieder einmal zu sehen und zu hören und wünsche Ihnen viel Erfolg.
(Othmar M., Schweiz)

 

INSIDE

Nachfolgend der Bericht, wie ich in einem 27 Stunden-Einsatz zur Venus wurde. ...und es gab Kollegen, die mir neidlos gestanden, DAS hätten sie noch nicht einmal versucht. Danke für das Kompliment ;-) Ihr Lieben! Möglicherweise bin ich aber einfach nur verrückt...
Also, erst mal die Fakten: Die Premiere des Musicals hatte mit Marianne Rosenberg in der Hauptrolle gerade erst stattgefunden, und ich war im Besitz eines Second-Cast-Vertrages, um sie im Falle einer Krankheit o.ä. zu ersetzen.

An einem kalten Novembervormittag fand ich die Unterlagen im Briefkasten, die man benötigt, um sich auf einen eventuellen Einsatz vorzubereiten: Textbuch mit Regieanweisungen und "Strichen" (Sätze, die die Welt nicht braucht), Noten und Texte für die Lieder und eine CD; und sogar ein (zwar schlechtes, aber immerhin) Video.
Ich dachte:"Naja, jetzt war gerade erst die Premiere... da habe ich sicher genügend Zeit, um mir das Stück in aller Ruhe anzuschauen und zu lernen..."
Noch am gleichen Tag, um 17:00 Uhr, erhielt ich einen... ach, was sag ich: DEN Anruf aus Berlin:
"... Marianne ist krank, kannst Du morgen Abend spielen?"

Normalerweise hätte ich antworten müssen: "Vielen Dank, Danke, aber danke, nein!", denn es ist einfach nicht möglich in 27 Stunden nach Berlin zu reisen und ein ganzes Musical zu lernen!
Aber dann tat ich, was getan werden musste: Familiär-organisatorisches erledigen und klären, Koffer packen, Zugauskunft, Zugticket ... Wer holt mich in Berlin am Bahnhof ab?, schnell, schnell, schnell...!
Normalerweise wäre ich ja - wg. Unabhängigkeit - mit dem Auto gefahren, aber da wäre mir ja kostbare Zeit zum Textlernen verlorengegangen! Blöderweise musste ich unterwegs auch umsteigen, so dass ich eh schon eine dreiviertel Stunde verlor.


20:00 Uhr - ca. 01:00 Uhr
Gerade noch einen Sitzplatz im Speisewagen ergattert. Ohne Tisch wäre ich mit dem ganzen Materialberg, den ich vor mir ausbreiten musste, ganz schön aufgeschmissen gewesen. Die Musik inīs Ohr gestöpselt und derweil im Script bunt angestrichen, welche Passagen mir gehören. Zwischendurch auf dem Klo die Lieder angesungen.

01:00 Uhr - 02:00 Uhr
Achim Rothe (hingebungsvoller und vielseitiger Trompeter und Freund, den ich während der Arbeit bei PompDuck&Circumstances kennenlernte) holte mich vom Bahnhof ab. - Wo kriege ich jetzt noch Zigaretten? - In Achimīs Küche alles Material wieder ausgebreitet, Ofen angeschmissen und weiter gingīs.

02:00 Uhr - 06:00 Uhr
Am besten lerne ich, wenn ich den Text auswendig runterschreibe. Und so las ich und schrieb ich... Bloß nicht auf die Uhr sehen!! Nicht denken! Einfach stoisch weiterlernen. Die letzte halbe Stunde schaute ich noch mal kurz ins Video rein...

06:00 Uhr - 09:00 Uhr
Liebes Universum! Ich habe jetzt drei Stunden Schlaf... Ich darf nicht total erschossen aufwachen, sondern brauche so viel wie möglich Energie aus diesen drei Stunden! Bitte, bitte! Vielen Dank und Gute Nacht!

09:00 Uhr - 11:00 Uhr
Es hat geklappt! Hurra! Alles war wach, sogar meine Stimme....und das um diese Uhrzeit! Danke! Schnell geduscht und gepudert, Kaffee, weitere Textpassagen gelesen und per Taxi ab ins Zelttheater am Schlossplatz gefahren.

11:00 Uhr - 13:00 Uhr
Musikalische Probe mit Heinz Adrian. (Wieso darf ich nie so singen, wie ich es fühle? - Musicals! Kein Raum zur Interpretation. Immer schön austauschbar bleiben...) Aber wir wurden zu unserer beiderseitiger Zufriedenheit trotzdem schnell einig. Sehr angenehme Arbeit! Zwischendurch Kaffee getrunken und Kostüm und Schuhe immer wieder anprobiert. Kerstin Berner (Super "Kostümfrau"!! und ne richtig Nette noch dazu!) arbeitete im Akkord.

13:00 Uhr - 15:00 Uhr
Jan Oberndorff und Andrea Heil kamen und gingen mit mir das Stück und die Szenen durch. Zwischendurch immer wieder Kostümprobe. Marianne tauchte auf...

15:00 Uhr - 17:00 Uhr
Probe mit dem Ensemble. Jetzt auch Tonprobe. Jan erklärte mir den Ablauf vom Ende des Stückes, als die Venus schweigend wieder auf den Sockel steigt, um für weitere 3000 Jahre zu Stein zu werden. Ich stand unten und atmete ein, was er erzählte. Jan kam vom Sockel runter auf mich zu und fragte: "Wie gehtīs Dir?"
Das hätte er nicht tun sollen. Die dramatische Steinwerdung der Venus und der Gedanke, dass da noch so viel Text rumliegt, von dem ich noch nicht weiß, was da auf der Bühne passiert, waren zu viel für mich: Ich fuddelte das Headset von meinem Kopf, stammelte: "Ich brauch ne kurze Pause!" und fing entsetzlich an zu heulen. Backstage rief ich nur noch nach einem Handtuch, denn ich wusste, dass ich mich jetzt SOFORT wieder einfangen muss! Kaltes Wasser ins Gesicht und wieder raus auf die Bühne.
Dummerweise habe ich durch diesen emotionalen Ausrutscher alle verunsichert. Logo: Hier kannte mich ja keiner. Woher sollten sie wissen, dass ich jetzt nicht durchdrehe?

17:00 Uhr - 18:45 Uhr
Die Proben waren äußerst konzentriert und auch witzig!
Stellte fest, dass ich die Songs zwar am Klavier wunderbar fehlerlos und auswendig konnte, aber sobald ich anfing zu spielen der Text nicht mehr floss. Von einer Strophe zur nächsten fehlte einfach eine Denk-Sekunde... Soufflieren war hier undenkbar. Ich beschloss, mir die Texte an den Bühnenrand zu legen und sie mir bei Bedarf einfach souverän zu holen. Es waren ja eben nur die Anschlüsse, die mir fehlten.

18:45 Uhr
Die Abendspielleitung kam, versammelte das Ensemble im Kreis und teilte mit, dass die Vorstellung abgesagt werden müsste, weil man das weder mir noch dem Publikum zumuten könne. (Naja, mir wurde es ja bereits zugemutet - oder war ich es selbst? *gg*) Betretenes Schweigen. Im Hintergrund meldet sich jemand und sagt: "Wir haben beinahe volles Haus, und es sind schon etliche Zuschauer draußen. Ist das definitiv?" - "Ja, das ist definitiv." - "Dann schicke ich die jetzt nach Hause!" Er drehte sich um und plötzlich rief ich "HALT!" und er blieb auch stehen und es war lange ganz still. Ich rang mit mir und nach Worten und sagte dann: "Ihr könnt mich hier nicht 27 Stunden durch die Hölle jagen und dann alles absagen! Ich weiß auch nicht, ob ich das kann. Aber wenn ich hier heute abend bestehe, dann ist das für alle gut - und (schluck!) wenn ich ausgebuht werden sollte, ...dann werde ich das demütig einstecken. Wir haben den ganzen Tag gemeinsam hart gearbeitet! Alle haben ihre Zeit und Kraft gegeben. Ihr könnt das jetzt nicht absagen!" Und das Ensemble beschloss meine Entscheidung mit mir zu tragen und mit mir ins Abenteuer zu gehen.

19:15 Uhr - 20:00 Uhr
Backstage fiel ich für zwei Sekunden mit klappernden Zähnen meiner Freundin Inga Walther um den Hals (sie arbeitete zu dieser Zeit dort für die PR-Abteilung) und schluchzte: "Ich hab solche Angst! Buhuhuuu!" ... ;-) ...ab in die Garderobe, jetzt kommt die Verwandlung. Zwischendurch schaute immer mal jemand vom Ensemble herein und wünschte mir Glück.

20:00 Uhr
Einlass: Das Publikum wurde informiert, dass Marianne krank ist und wurde auf die Umstände meines Einsatzes hingewiesen. Die Vorstellung begann. Ich saß noch immer in der Garderobe...Letztes Handanlegen an Kostüm und Maske.

20:15 Uhr
Ich stand hinter einem Paravent und wartete auf meinen Auftritt. Ich dachte nur noch "Jetzt fährt der Zug, Andrea. Jetzt kannst Du eh nichts mehr machen. Nur noch sein!" Und dann spielte ich um mein Leben...

Nachdem ich wieder auf den Statuen-Sockel gestiegen und versteinert war und das Stück mit einem Black endete, liefen die Tränen der Erleichterung, der Dankbarkeit und der Erschöpfung. Alle gleichzeitig.
Und der Applaus war unbeschreiblich! - und wohltuend!
Dank an alle, die mit mir waren!

 

plakat die venus