Extremities

Theaterstück von William Mastrosimone
Inszenierung / Produktion: Theater Tamen The


Marjorie lebt mit ihren beiden Freundinnen in einer WG.
Eines Morgens verschafft sich Roul unter einem Vorwand Eintritt in die Wohnung, und nach anfänglichem flirtativem Geplänkel versucht er sie zu vergewaltigen und konfrontiert sie mit massiver Gewalt und Demütigung.

Im Verlauf des Stücks sieht sich Marjorie zunehmend ihrem eigenen Gewaltpotential und destruktiven Rachegedanken ausgeliefert.

So wird sie selbst zur Täterin, macht Roul zum Opfer - und während sie anfangs noch im Affekt handelt, wird aus Verzweiflung und Hysterie eine klare von Logik geprägte Mordabsicht.

"The monster in all of us is just under the skin." (William Mastrosimone)

 

PICTURES

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FEEDBACK

"Am Ende des Kampfes, der weder verloren noch gewonnen ist, zeigt Andrea Zanaboni bei aller Erschöpfung eine große Kraft, antiken Tragödinnen gleich. Und auch für den Zuschauer ist wohl der Blick auf einen gescheiterten Menschen besser auszuhalten, als auf einen bestialischen." (FAZ)


"Unsere Identifizierung mit Marjorie, die Dank der mit ihrer Figur aufgehenden Darstellerin sich fast automatisch herstellt, ist ihr Kapital, unsere Angst um sie, sowohl in der Rolle des Opfers als auch der potentiellen Täterin macht uns zu fügsamen Zuschauern." (Frankfurter Rundschau)

 

INSIDE

Viele kennen den Kinofilm mit Farah Fawcett. Wenige wissen, dass diese Story urspünglich ein Theaterstück war, das das Thema sehr viel differenzierter behandelt, als es der spektakuläre Kinofilm tat. Während im Film am Ende die amerikanische Sonne in Form einer Stehlampe aufgeht, und Farrah Fawcett eindeutige Genugtuung im Gesicht trägt, musste ich während der Arbeit am Stück feststellen, dass es das gar nicht gibt! Man könnte den Täter bis zur Unkenntlichkeit zerfetzen oder ihn schlussendlich doch ermorden ... aber nichts befriedet eine Vergewaltigung, selbst wenn diese nur versucht und nicht vollzogen wurde! Vergebung an dem Täter und/oder an sich selbst zu üben, entpuppte sich als harte Arbeit!

Auch beschränkt sich das Theaterstück nicht allein auf die versuchte Vergewaltigung, sondern befasst sich vielmehr grundsätzlich mit "Gewaltmechanismen". Interessanterweise gelingt es nämlich Roul, während er wehrlos angekettet und arg zugerichtet in einer Ecke kauert, die drei Frauen so gegeneinander auszuspielen, dass diese selbst beginnen, sich gegenseitig anzugiften und zu bedrohen.

Das Stück lädt ein, sich mit Agression und Ohnmacht auseinanderzusetzen. Nach Möglichkeiten zu suchen, sie zu integrieren und zu transformieren, bevor sie sich in einer unaufhaltsamen Gewaltlawine entladen. Wie geht das? Und geht es überhaupt?

Während der Proben gab es immer wieder Momente, an denen ich gerne ausgestiegen wäre! Ich begegnete Gefühlen von großer Einsamkeit und totalem Kontrollverlust - und beides hatte mich damals sehr geängstigt (es war schließlich meine erste leading role).
Oft kamen nach der Vorstellung Frauen zu mir, die sich bei mir dafür bedankten, stellvertretend für sie selbst durch etwas durchgegangen zu sein. Frauen, die es erlebt haben und die sich nicht in der Lage gesehen hatten, sich in irgeneiner Form zu wehren.

Gewalt ist und bleibt ein menschliches Thema - und wir müssen mit ihm leben. Aber wie? Über dieses wie entscheiden zu können, ist ein Lernprozess, der möglicherweise nie endet.
So blieb am Ende des Stücks die Frage: Wer sind wir?

Aufgrund der Zuschauerreaktionen veranstalteten wir als Theater Tamen The ein Seminar zur Erwachsenenbildung, in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung: Voyeurismus oder Beteiligung - vom Schauen zum Handeln.

 

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